Guten Abend, gute Nacht: Eine kleine Kulturgeschichte des

Guten Abend, gute Nacht: Eine kleine Kulturgeschichte des Schlafs Schlaf ist weit mehr als eine blo e K rperfunktion wie Menschen schlafen, unterscheidet sich von Region zu Region W hrend die Welt in so manchem Sch pfungsmythos aus den K rpern schlafender Urwesen entsteht, ist in der Genesis ein dauerwacher Gott am Werk, den sich der Mensch zum Vorbild nehmen soll Welche Vorstellungen wir mit dem Schlaf verbinden, hat sich im Lauf der Zeit ver ndert So n chtigen wir heute allein in Doppelbetten, w hrend man sich fr her eine Schlafst tte mit Familienmitgliedern und sogar Nutztieren teilte Fr her hielten Menschen Mittagsschlaf oder Siesta, w hrend sie jetzt Powernappen Doch allen Optimierungstendenzen zum Trotz preist man heute den Schlaf auch nur um seiner selbst willen als Zustand absoluten und puren Vergn gens


3 thoughts on “Guten Abend, gute Nacht: Eine kleine Kulturgeschichte des Schlafs

  1. Fernand Schmit Fernand Schmit says:

    Die Autorin hat sehr gr ndlich recherchiert Deswegen allein schon lohnt sich die Lekt re Es w re ein Meisterwerk, wenn auch andere Erwartungen noch erf llt worden w ren Man m chte ber den Schlaf mindestens zwei weitere Aspekte erfahren, die aber fehlen Das eine ist die ausf hrliche Expertise ber die ausf hrliche Bedeutung des Schlafes als solchem aus wissenschaftlich biologischer Sicht, bei Tier und Mensch Das andere sind die ganz neuen Aspekte, die aus der Schlafforschung stammen Und letztlich fehlt es an Besonderheiten Was damit gemeint ist, soll ein kleines Beispiel aus dem Raum westlich von Aurich zeigen Im Bereich der Fleets ist in einem Museum dargestellt, dass man in fr heren Zeiten im Sitzen schlief, weil das Schlafen im Liegen dem Tod hnelte Solche merkw rdigen Beispiele gibt es weltweit Sie h tten das Buch bereichert Bei diesem Buch ist man geneigt, zwei Dinge umzudrehen Alles lieber weniger wissenschaftlich akkurat darstellen, daf r mehr Breite erzeugen Und dennoch lohnt sich die Lekt re dieses Buches von einer Autorin, die sich so viel M he gemacht hat und der man daf r danken muss.


  2. Michael Lausberg Michael Lausberg says:

    Die Kulturwissenschaftlerin Karoline Walter stellt in diesem Buch eine Kulturgeschichte des Schlafes, seine Funktionen und die Vorstellungen, die Vorstellungen die Menschen mit ihm verbinden dar Angefangen vom dem Sch pfungsmythos der Genesis, wo ein dauerwachender Gott beschrieben ist, bis zu neuen Formen des Schlafes in der Gegenwart und seiner Interpretation beleuchtet sie die Auszeit des menschlichen Lebens mit den Tr umen, aber auch als Gegenst ck die Geschichte der Wachheit.Im ersten Kapitel beschreibt sie den Schlaf als S nde im Mittelalter, der sich in der Aufkl rungszeit zu einer Art Laster einwickelt, der der Produktivit t des arbeitenden Menschen entgegensteht und der Flucht aus diesem Kreislauf durch Tagtr ume oder den Schatten der Nacht Die Literatur der Romantik mit ihrem animalischen Magnetismus und Mesmerismus findet ebenso Erw hnung wie der Versuch durch Teile der Wissenschaft, das menschliche Schlafbed rfnis zu beeinflussen, unter anderem durch chemische Mittel oder Drogen Schlaflosigkeit als Strafe oder Mittel der Folter wie in s dafrikanischen Gef ngnissen w hrend der Zeit der Apartheid oder im US Gefangenenlager Guantanamo werden ebenfalls vorgestellt.Danach kommen kulturspezifische Besonderheiten des Umgangs mit Schlaf zur Sprache In Asien wird dabei das ffentliche Schlafen als normal empfunden, w hrend es im Westen eher als verwerflich galt Schlaf als Zeichen politischen Protestes von Hippies oder Gammlern in Westdeutschland der 1960er Jahre sind dabei die Ausnahme.Anschlie end geht es Schlafgewohnheiten von Eltern und Kindern, die auch von Kultur zu Kultur unterschiedlich sind K rperkontakt, die physische N he und Schlaflieder und ihre Wandel durch die Jahrhunderte bilden dabei einen Schwerpunkt Ein Kapitel ber moderne neue Formen des Schlafens wie Klartr umen, das polyphasische Schlafen oder Powernapping runden das Buch ab.Dies ist kein medizinisches Buch ber Schlaf und Schlafprobleme, auch kein Ratgeber f r guten Schlaf Es stellt die verschiedenen Entwicklungslinien der Schlafkultur und deren Zuschreibungen in groben Z gen quer durch die Menschheitsgeschichte dar Ein eigenes Kapitel ber die Kultur der Siesta in romanischen und lateinamerikanischen L ndern w re allerdings w nschenswert gewesen, da auch die klimatischen Bedingungen ein Faktor f r kulturelle Eigenheiten sind.


  3. Dieter Volgnandt Dieter Volgnandt says:

    Das Buch ist klar strukturiert und geht von der These aus, dass unsere heutige Wachheitsgesell schaft dem Schlaf einerseits nur noch die Funktion einer Unterbrechung der Arbeit zur weiteren Leistungssteigerung zubilligt und dies andererseits schon in unseren Grundmythen, zum Beispiel der Bibel, ideologisch angelegt ist Schlaf ist Ersch pfung und Fluch und der Schlaf wird als kleiner Bruder des Todes betrachtet Dabei zeigt die Autorin, die unsere Gesellschaft historisch und kulturell mit anderen Kulturen vergleicht, dass zun chst einmal die Nacht und ihre oft undurch dringliche Dunkelheit besiegt werden mussten, denn bis in das 19 Jahrhundert hinein, standen au er Fackeln, gro en Nachtfeuern und Kerzen keine anderen Lichtquellen zur Verf gung, w h rend man auf dem Land allein schon aus Sparsamkeitsgr nden mit den H hnern schlafen gehen musste, weshalb der religi sen Lichtmetaphorik eine so gro e Bedeutung zukam Mit der Refor mation setzt f r die Autorin ein geistiger Umdenkungsprozess ein Jetzt will der Mensch selbst gott hnlich sein und folglich auch ohne Schlaf auskommen, weil Schlaf als verschwendete Le benszeit betrachtet wurde.Mit der Erfindung des Gaslichts und dann endlich der elektrischen Gl hbirne gelingt es den Men schen die Nacht zum Tage zu machen, so dass der 24 Stunden Rhythmus der Industriegesell schaft auch ber die n tigen Lichtquellen verf gt Gleichzeitig versch rft sich der Kampf gegen den Schlaf als vergeudete Lebenszeit Milit rs und Industrielle berbieten sich hier in ihrem Wett lauf, wie lange ein Mensch ohne Schlaf auskommen k nnen Benjamin Franklin und Edison wer den zitiert, die Autorin erw hnt auch Napoleon, stellt ihn und sein sprichw rtliches vordigitales Powernapping nicht ausf hrlich dar Daf r geht sie aber auf den Anti Schlaf Helden Charles Lind bergh, den ersten Menschen dar.Da dieser Kampf gegen den Schlaf ohne entsprechende Medikamente oder Wachmacher nicht gewonnen werden kann, werden diese zu Beginn der drei iger Jahre auch erfunden Hier geht die Autorin auf die fr h vom Milit r verwendete Volksdroge Pervitin und die Pervitinierung der Ge sellschaft ein, die bis heute noch nicht ganz zum Abschluss gekommen ist, wenn auch das Medi kament, heute eher bekannt unter dem Namen Extasy oder Crystal Meth bekannt, verboten ist.Dem Kapitel schlie t sich ein Exkurs ber das ffentliche Schlafen an, das nach der Logik der industriellen Konsumgesellschaft entsprechend verboten oder aus der ffentlichen Wahrnehmung verbannt werden soll.Darauf folgt eine h chst essayistische Betrachtung ber die Wiegenlieder, die oft gar keine Kin derlieder sind, sondern die Ohnmacht einer an ihren Existenzrand gekommenen Unterschicht arti kulieren oder die ngste der Kinder gerade in Bezug auf diese Wachheitsgesellschaft vorweg nehmen sollen.Das Buch schlie t mit Betrachtungen ber Modernes Schlafen, denen die schon im ersten Ober kapitel genannten Symptome gemein sind, sprich, eine Gesellschaft, die den Schlaf aus ihrer konomie verdr ngt hat, braucht sich nicht zu wundern, wenn das nat rliche Schlafbed rfnis sich wieder durch die Hintert r meldet.Das Buch ist nichts f r Leute, die sich einen schnellen Ratgeber f r richtiges Schlafen erhoffen, damit sie in diesem Sinne wieder mehr und besser leisten k nnen Das Buch ist alles und super f r all die Leser, die sich f r die kulturhistorischen Hintergr nde unserer besonderen und nicht all gemein g ltigen Schlafkultur erhoffen und daraus vielleicht die eine oder andere Erkenntnis f r das eigene Schlafen sch pfen wollen.Das Buch ist am sant, gut und unterhaltsam geschrieben, in diesem Sinne sind die 163 Seiten der Rest sind au erordentlich sorgf ltig belegte Anmerkungen und Bibliographie, die vor allem zeigen, dass sich die Autorin auch mit der von ihr zitierten Literatur auseinandergesetzt hat , nicht nur ein Wissens und Bildungsgewinn, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Basisfundamenten unserer Gesellschaft, wobei dem Leser letztendlich berlassen bleibt, welche Schlussfolgerungen er daraus zieht ber eines jedoch l sst ihn die engagiert und in einem hohen Stil schreibende Autorin nie im Unklaren Sie selbst w rde weder eine Wachheitsdroge nehmen noch dem Wahn nach st ndiger Leistungssteigerung und Schlafabstinenz nachgeben Was kann man von einem guten Buch mehr verlangen


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